Rezension zur FS-Aktion "Huf-Beurteilung"
Herr Boris Eberhard beurteilte in der August-Ausgabe der Freizeit im Sattel verschiedene Pferdehufe, die ihm von den Lesern der FS per Foto zugesandt wurden (nachzulesen in FS 8/2004, Seiten 57-66).
Eine Auszubildende der DIfHO (mittlerweile hat sie die Abschlussprüfung zum Huforthopäden erfolgreich abgelegt und ist Mitglied der DHG e.V.) hat die Hufbeurteilung von Boris Eberhard in einigen Teilen für uns rezensiert.
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Leider ereilte uns von seiten der "Freizeit im Sattel" die nachdrückliche Bitte, die 4 rezensierten Seiten von unserer homepage zu nehmen. Die FS-Offerte, die Rechte zur Veröffentlichung des 4seitigen Inhaltes käuflich zu erwerben, mußten wir aufgrund des relativ hohen Preises von 500,-Euro ablehnen. Die Huf-Anschauung zur Herrn Eberhards Aussagen sowie zur Rezension derselben muß sich der interessierte Leser nun leider mühsam und auf privatem Wege verschaffen. Da die FS eine reine Abonnentenzeitung ist, kann man sie leider nicht einfach käuflich erwerben. Aber man kann ja nachfragen, vielleicht macht die FS ja in diesem besonderen Fall eine Ausnahme (und einen guten Preis). link zur FS www.freizeit-im-sattel.de Sicher gibt es auch den ein oder anderen FS-Abonnenten der seine private Zeitschrift dem ein oder anderen Interessierten ausleiht.
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FS 8/2004, S. 60 f.
Unter der Überschrift "Abweichungen vom seitlichen Ideal" stellt Herr Eberhard fest, dass es bei Pferdehufen "sehr häufig Abweichungen des Winkels der Zehenwand vom Fesselstand gibt". Laut Herrn Eberhard sind „bei der Betrachtung von der Seite ... zusätzlich zur Orientierung die Zehen- und Trachtenlinie zu beachten. Sie verlaufen im Idealfall parallel zum Fesselstand." Auf Bild 6, welches einen linken Hinterhuf zeigt, findet Herr Eberhard "solch eine Parallelität von Zehen- und Trachtenlinie. Man erkennt sogar die einzelnen Hornröhrchen und ihren sehr gleichmäßigen Verlauf." "Anders" verhält sich dies laut Herrn Eberhard bei dem "22-jährigen Hannoveranerwallach Rih (7). Sein Vorderhuf zeigt eine deutlich flachere Trachtenlinie, verfügt also über untergeschobene Trachtenwände. Dieser Verlauf der beiden Orientierungslinien an Zehe und Trachten führt bei Rih zu fehlerhaften Spannungen in der Hornkapsel, besonders im Bereich der Seiten- und Trachtenwand. Es kann zu Hornspalten oder Ausbrüchen kommen. Um dem zu entgehen, müssen die Trachtenwände stärker gekürzt werden, was zu einem steileren Verlauf der Trachtenlinie führt.“
Zum Bild 6 ist zu sagen, dass hier die Trachten nicht, wie von Herrn Eberhard beschrieben, parallel zur Zehenwand verlaufen. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass die Trachte unterschiebt (und eingerollt ist). Auch den „sehr gleichmäßigen Verlauf“ der Hornröhrchen können wir nicht bestätigen, denn bei einem erneuten genauen Blick auf den Huf zeigt sich, dass durch die untergeschobene Trachte eine Wandrundung entstanden ist, auf die zuerst eine Tiefstelle in der Seitenwand folgt, dann bildet das Wandhorn erneut eine Rundung. Von Gleichmäßigkeit kann hier also nicht die Rede sein!
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Auf Bild 7 ist eine sehr deutlich untergeschobene Trachte dargestellt. Diesen Umstand macht Boris Eberhard verantwortlich für „Spannungen in der Hornkapsel, besonders in der Seiten- und Trachtenwand“. Des weiteren führen diese Spannungen seiner Meinung nach zu „Hornspalten oder Ausbrüchen“. Aus Huforthopädischer Sicht führen untergeschobene Trachten zu einer Überlastung des Trachtenbereiches. Gleiches gilt für die Seitenwände, wenn aufgrund einer schrägen Zehenwand in der Zehe keine Last mehr aufgenommen wird und somit die Seitenwände mehr tragen müssen, dies trifft aber eher auf Bild 5 zu. Die Abbildung 7 ist leider nicht korrekt in der Seitenansicht fotografiert, hier scheint es aber |
so zu sein, dass die Zehenwand nicht sehr schräg, sondern eher steil (zur Fessel passend) zum Boden steht. Des weiteren werden die entstehenden Spannungen in der Hornkapsel als „fehlerhaft“ beschrieben, was uns zu der Frage führt, ob es laut Herrn Eberhard auch fehlerfreie Spannungen in den Pferdehufen geben kann.
Dass Spannungen in der Hornkapsel Hornspalten verursachen, können wir bestätigen. Der auf Bild 6 sichtbare kapillare Riss in der Seitenwand ist der erste Schritt Richtung Hornspalt. Ausbrüche in der Hornwand jedoch entstehen bevorzugt an schrägen, hebelnden Wandanteilen, dies hat mit Spannung wenig zu tun.
Die Bearbeitungsempfehlung, hier die Trachten zu kürzen, damit die Trachtenlinie einen steileren Verlauf erreicht, müssen wir vehement kritisieren. Durch Kürzen wird die Trachtenwand nicht steiler, sondern eben nur kürzer, was den Huf nach hinten-unten kippt, so dass noch mehr Last auf den Trachtenbereich verlagert wird. Hierdurch können die Trachten noch mehr unterschieben, weil durch Überlastung die Wandröhrchen der Trachten plattgedrückt werden und somit ihre Tragefähigkeit einbüssen. Somit ist ein Kürzen der Trachten äußerst kontraproduktiv, zumal die Hornröhrchen der Zehenwand durch die vorgeschlagene Maßnahme des Trachtenkürzens zwangsläufig schräger zum Boden gestellt werden, dadurch ebenfalls ihre Tragefähigkeit aufgeben und zur Verschlimmerung der Situation beitragen.
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FS 8/2004, S. 61

Unter der Überschrift "Die äußere Form der Hufwand" findet sich das Bild (8) des linken Vorderhufes "des Vollblut-Arabers Amor. Es zeigt laut Herrn Eberhard "einen gleichmäßigen Verlauf der Hufwände innen und außen."
Den angeblich „gleichmäßigen Verlauf der Hufwände innen und außen“ können wir hier leider nicht feststellen. Die mediale, auf dem Bild linke Seitenwand verläuft steiler als die laterale Wand. Die ersten Zentimeter der medialen Wand wachsen sehr steil nach, dann biegt sich die Seitenwand etwas nach außen. Hier liegt die Vermutung nahe, dass sich die Wand unter der Last verbiegt, denn der hochgeschobene Kronsaum im Vergleich zum schnell abfallenden Saum auf der lateralen Seite lässt auf eine Mehrbelastung medial schließen. Die Fessel ist leider nur im Ansatz abgebildet, dennoch lässt sich erkennen, dass der Huf nach medial unters Gewicht geschoben zu sein scheint. In der Zehe finden sich einige kapillare Risse, besonders in der Zehenmitte ist deutlich ein Spannungsriss erkennbar. Der Grund hierfür liegt darin, dass der Huf durch ein vertikales Auffangen des Bodengegendruckes auf der mehrbelasteten Hufhälfte einerseits sowie durch ein Weghebeln der schrägen Wand auf der weniger belasteten Hufhälfte andererseits in eine Spannungssituation gelangt. Zusätzlich bleibt neben der angelaufenen Zehenrichtung das nicht abgenutzte Horn stehen, welches die unteren Abschnitte der Hornwand in der Zehe spreizt.
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Bild 9 befundet B. Eberhard auf folgende Weise: „ Anders die Hufwände der Vorderhufe der Araber-Mix-Stute Nahomy (9): Im konkaven Verlauf biegen sie sich im unteren Bereich nach außen. Dadurch werden die Hufe unnatürlich breiter. Die Verbindung von Sohle und Hufwand im Bereich der weißen Linie geht verloren.“
Hier können wir den beschriebenen „konkaven Verlauf“ nur an der im Bild rechten Seitenwand feststellen, die linke Seitenwand verläuft schräg nach außen. Außerdem ist auf der rechten Seite der Kronsaum höher geschoben als links, der Huf scheint nach rechts unter die Gliedmasse versetzt. Die konkave Verbiegung lässt somit auf eine Mehrbelastung |
schließen. Auch dieser Huf weist einen Spannungsriss in der Zehenmitte auf, welcher durch die beiden schrägen, hebelnden Seitenwände verursacht wird. Die Feststellung von Herrn Eberhard, dass bei solchen Hufen „die Verbindung von Sohle und Hufwand im Bereich der weißen Linie“ verloren geht, ist nicht korrekt. Eine Zusammenhangstrennung im Bereich der weißen Linie findet sich in erster Linie an überlasteten Wandanteilen und nicht an, wie hier vorliegend, schrägen Wandanteilen. Bei zu schrägen Hufwänden wird vielmehr die Blättchenschicht durch Hebelwirkung auseinandergezogen (siehe Bild 10), so dass Schmutz, Fremdkörper und Bakterien leicht eindringen können.

Bei den Bildern 10 und 11 kommt Herr Eberhard zu folgendem Schluss: „ Dieses Problem der schlechten Verbindung zwischen Sohle und Hufwand zeigt die Sohlenansicht des linken Hinterhufes von Rufus, einem 30-jährigen Warmblutwallach (10): Bei ihm ist die weiße Linie im gesamten Hufbereich ohne feste Struktur; Fäulniserreger können leicht eindringen und tragen weiter zur Zerstörung dieser wichtigen Zone bei. Im Extremfall kann das (wie hier bei Rufus) zu Zusammenhangstrennungen im Bereich der Hornwand (Spalten) führen (11). In diesen Fällen müssen die Hornwände so von außen bearbeitet werden, dass ein gestreckter Verlauf erreicht wird.“
Eigene Befundung:
(HL) Beide Eckstreben liegen flach auf der Sohle; mediale Eckstrebe schräger; breiter, kräftiger Strahl; Blättchenschicht besonders in den Seitenwänden stark verbreitert, von Fäulnis zersetzt; Tragrand lateral mehr belastet/schmaler; kapillare Risse im Wandhorn, besonders in der Zehe; Saumhorn haftet stark am Wandhorn; Krone medial hochgeschoben; divergierende, tiefe Rillen in den Hufwänden, lateral stärker hochgeschoben; beide Seitenwände sehr schräg; mediale Wand konkav verbogen; Spalt in der Zehenmitte, wurde erfolglos mit Quer-Kerbe bearbeitet; in der Sohlenansicht Spalt als Loch erkennbar, reicht bis ins Sohlenhorn
Zur Befundung/Bearbeitungsanweisung von B.Eberhard:
Die von Herrn Eberhard als weiße Linie benannte Blättchenschicht wird hier als „ohne feste Struktur“ beschrieben. Bei genauem Hinsehen lässt sich allerdings sehr gut die Blättchenstruktur des Hornes erkennen. Die Zersetzung durch Fäulnisbakterien wird als Grund für den Spalt in der Zehe herangezogen, diese Behauptung wird aber leider nicht näher erläutert. Für den Huforthopäden findet sich an diesem Huf nur ein einleuchtender Grund für die Spaltbildung in der Zehenmitte: Die beiden Seitenwände sind sehr schräg zum Boden ausgerichtet, hebeln fortwährend nach unten/außen, so dass in der Zehenmitte, dort, wo beide Hufhälften aufeinandertreffen, enorme Spannung entsteht. Werden die Hebelkräfte nicht rechtzeitig ausgeschaltet, gibt die Hornwand irgendwann der Spannung nach und reißt ein. Zuerst entsteht nur ein feiner Windriss in der äußersten Hornschicht, der mit der Zeit zu einem tiefen Spalt werden kann. Die verbreiterte, aufgerissene Blättchenschicht geht mit dem Vorhandensein von hebelnden Wänden einher. Durch die Hebel wird die Blättchenschicht aufgerissen und bietet Eintrittspforten für Fäulnisbakterien. Dieser Befall mit Fäulniserregern kann als zusätzliche Belastung für die Hufgesundheit, jedoch nicht als Ursache für den Spalt betrachtet werden. Sowohl Spalt als auch zerrissene Blättchenschicht haben die gleiche Ursache: hebelnde Wände.
Der Versuch, die Spaltbildung durch eine Querrille zu stoppen, ist grundsätzlich erfolglos, so auch im hier vorgeführten Beispiel. Bei genauem Hinsehen ist zu erkennen, dass sich der Riss bereits in und oberhalb der Querrille fortgesetzt hat. Eine konsequente huforthopädische Bearbeitung würde sich hier darauf richten die Hebel am Huf auszuschalten, so dass die Spannung aus der Hornkapsel genommen werden kann, dadurch wird der Spalt im Idealfall bereits bei der ersten Bearbeitung gestoppt und wächst heraus.
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