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Hornrisse und -spalten

Hornrisse und -spalten haben ihren Grund in Scherkräften,
die auftreten, wenn Pferde ihre Hufe ungleichmäßig
belasten (1). Es handelt sich um Zusammenhangstrennungen
in der Röhrchenrichtung,
die da ihren Ausgang nehmen, wo das Horn aufgrund von Spannungen
im Huf einreißt. Diese Zusammenhangstrennungen entstehen
entsprechend der konkret vorliegenden Asymmetrie der Gliedmaße
in der Zehe oder in der Seitenwand des Hufes bzw. im hinteren
Bereich der Eckstrebe. Die Bruchstelle befindet sich dabei in
der Regel zwischen den steileren und schrägeren Wandanteilen
des Hufes. Provoziert wird die Zerreißung an dieser Stelle
durch die divergierende Krafteinwirkung bei jedem Auf- bzw. Abfußen.
Während die steileren Hufwandanteile durch den Druck des
Bodens eine nach oben gerichtete Krafteinwirkung erfahren, werden
die schräger zum Boden stehenden Hornwandteile nach außen,
bei übersteilen Wänden nach innen gehebelt. Auch der überlange,
keinen Abrieb erfahrende Huf ist in bezug auf die Entstehung
von Ermüdungsrissen, die sich später zu Hornspalten
entwickeln können, gefährdet. Insgesamt gilt, um so
stärker die Asymmetrie der Gliedmaße und um so länger
das Röhrchenhorn der Tragwand, um so größer die
einwirkenden Hebelkräfte und damit die Gefahr der Entstehung
von Rissen und Spalten in der Hornkapsel.
Die Verhinderung bzw. Therapie des geschilderten
Phänomens kann nur in der Beseitigung der ungleichmäßigen
Belastungssituation bestehen. Durch hornabriebsteuerndes Beraspeln
der weniger belasteten Tragwandteile wird sichergestellt, daß sich
diese genauso schnell ablaufen, wie die stark belasteten. Die
nach außen verbogenen Seiten-, Trachten-, Zehenwände
werden von außen korrigiert, um die Verbiegekräfte
auf die schrägen Tragwände zu reduzieren. Dabei wird
vor allem im Bereich der Spalten die Hufwand möglichst hoch
beraspelt, um die besonders langen und stabilen Außenröhrchen
zu kürzen, da von diesen die größte Spreizwirkung
auf die Spalten ausgeübt wird. Liegende Eckstreben werden
zurückgeschnitten, das darunter liegende, aufgewulstete
Sohlenhorn - welches das Horn der Trachtenwand nach außen
drückt - wird entfernt.
So wie es gelingt, eine gleichmäßige
Belastungssituation herzustellen, wird die Spaltenbildung gestoppt.
Unabhängig von der Hornmasse und -qualität der Hufe
müssen sich die therapeutischen Maßnahmen auf die
Beseitigung der Ursachen richten. Risse und Spalten im Hufhorn
sind - so nicht verletzungsbedingt erworben - ein letztes Alarmzeichen,
daß die gesamte Gliedmaße unter einer äußerst
ungünstigen Belastungssituation leidet. Der übliche
Gebrauch von Hilfsmitteln wie bspw. Spezial-beschlägen,
Hornersatzstoffen, Tapes oder das beliebte Querraspeln stehen
der Ursache gänzlich ohnmächtig gegenüber. Selbst
wenn es vorübergehend gelingt, den Zustand zu stabilisieren,
wird das ursächliche und folgenschwere orthopädische
Problem nicht beseitigt, der Schaden fürs Pferd damit nicht
behoben, sondern durch sein Fortdauern noch vergrößert.
(1) mit Ausnahme verletzungsbedingter Defekte der
Hornwand (Verletzungen der Hufkrone)
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